Der Sozialismus des 21. Jahrhunderts: Wirtschaft, Gesellschaft und Demokratie nach dem globalen Kapitalismus


 
Lesenswerte, engagierte Diskussionsgrundlage!
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Alle meine Rezensionen ansehen Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?) Rezension bezieht sich auf: Der Sozialismus des 21. Jahrhunderts: Wirtschaft, Gesellschaft und Demokratie nach dem globalen Kapitalismus (Gebundene Ausgabe) Da sich viele Leser in Rezensionen sich auf dieses Buch bezogen haben, habe ich es mir bestellt. Obwohl ich angesichts des Titels sehr(!) skeptisch war, bin ich INSGESAMT sehr positiv überrascht worden.

Meine Empfehlung lautet: dieses Buch erst NACH den Werken von z.B. Robert Kurz bzw. nach »Götterdämmerung über der neuen Weltordnung« (Stefan Engel) zu lesen! Es setzt nämlich einerseits einiges an Vorkenntnissen und Sachverhalten voraus, derer man sich erst bewusst sein sollte und andererseits ließ »Götterdämmerung...« am Ende genau das offen, was dieses Buch angeht zu (er)klären.

ALLGEMEINES: Festeinband, A5 groß, 192 Seiten, eine 12 Pkt. große, gut lesbare Schrift. Es enthält mehrere s/w Grafiken, Schemata und Tabellen, die den Inhalt darstellen oder ergänzen (sehr gut z.B. die sogenannte Peters-Rose). Es ist sehr intensiv geschrieben, d.h. es steckt sehr viel an Inhalt in oft nur einem Satz, mehr als andere Bücher in einem ganzen Abschnitt enthalten. Vieles muß man deshalb noch mal langsam lesen und sich durch den Kopf gehen lassen. Dennoch liest es sich insgesamt sehr zügig vom Schreibstil her. Ich war in ca. 8 Abenden damit durch. Es gibt massig Stellen, die man immer wieder nachlesen und für Zitate nutzen kann, da sie sehr kompakt und treffend formuliert sind. Es gibt vier große Hauptkapitel wie folgt:

1. Das Ende der bürgerlichen Gesellschaft
2. Das Historische Projekt von Marx: Direkte Demokratie (Sozialismus), 19. Jahrhundert
3. Das Neue Historische Projekt: Partizipative Demokratie (Sozialismus) des 21. Jahrhundert
4. Die Übergangsphase zum neuen Sozialismus

...sowie viele kleinere Unterkapitel. Man kann prima Lesepausen einlegen. Es folgt noch eine ausführliche Danksagung, die aber mehr die Hintergründe und Entstehungsgeschichte des Buches beleuchtet. Richtig spannend und abenteuerlich, was der Autor für einen Erlebnisweg hinter sich hat. Könnte man fast verfilmen...

POSITIV: jetzt ist mir klar, warum viele Leser auf dieses Buch verweisen. Es ist geradezu großartig(!), eine Fundgrube von Details, weiter reichenden Informationen und Anregungen rund um das Thema, philosophischen, wirtschaftlichen und politischen Analysen. Dabei werden diese aus Sicht eines Informatikers und Wirtschaftswissenschaftlers getätigt, alles sehr strukturiert, evolutionär denkend und akribisch, das ganze System gesellschaftlicher Verstrickungen anpackend und geistig klar und konsequent darlegend. Als ein Nebenprodukt fällt dabei ab, daß man sich bewusst machen kann, was die natürliche Wirtschaftsordnung ist. Oft firmiert als solche leider immer noch die »Freiwirtschaftslehre« nach Silvio Gesell. Spätestens wenn man diese Analyse hier nachvollzogen hat, weiß man, warum das unhaltbar falsch ist. Meistens setzen die Gedanken den Hebel völlig richtig an, insbesondere was seine Analyse und Kritik der bürgerlichen Marktwirtschaft betrifft. Auch was seine Synthese einer neuen Gesellschaftsformation betrifft, z.B. die Idee der partizipativen Direktdemokratie, die Zeit als Ausgangsbasis für den »Wert« zu nutzen (was aber auch nur eine Übergangslösung darstellen kann), trifft meines Erachtens den Kern. Man wird neugierig gemacht, sich auch mit den Arbeiten von Arno Peters und Carsten Stahmer zu beschäftigen, sowie »Alternativen aus dem Rechner. Für sozialistische Planung und direkte Demokratie« (W. P. Cockshutt / Allin Cottrell) zu lesen. Das hatte ich mir eh vorsorglich gleich mitbestellt.

KRITIK: Dennoch fallen mir einige Dinge auf, die ich bemängeln muß:

1. so werden in Zusammenhang mit Lenin nur dessen Leistungen als Gesellschaftsgestalter und Ökonom betrachtet, nie jedoch erwähnt, daß es sich gleichzeitig um einen Massenmörder und Schreibtischtäter handelte. Jeder Mensch ist wichtig!!! Man kann die Zukunft nur MIT allen Menschen aufbauen, nicht gegen sie. Selbst wenn man Ausnahmen einräumen muß, so gilt: wenn der Ansatz für eine neue Gesellschaft nicht zuerst auf den Menschenrechten aufbaut, das Verständnis füreinander einschließt, das verbindende Element anstatt das trennenden, die Fülle anstatt das Mangeldenken, dann wird das »Neue Historische Projekt (NHP)«, wie es der Autor bezeichnet, schon auf einer neuen Lüge errichtet. Dem Autor fehlt diesbezüglich leider die spirituelle Seite. Er sieht nur die verheerenden, gesellschaftlichen Strukturen im Äußeren, nicht jedoch die Welt im Inneren der Menschen, die diese Strukturen ermöglichen, tagtäglich tragen und einst geschaffen haben. Da empfehle ich mal »Eine Kurze Geschichte des Kosmos« oder »Integrale Spiritualität: Spirituelle Intelligenz rettet die Welt« (Ken Wilber) zu lesen. Dann wird dieser Mangel des Autors sofort auffällig.

2. der Autor räumt ein, daß man zum Beginn einer neuen Gesellschaft, da man die Reichtümer mit der Dritten Welt beginnen muß zu teilen, Abstriche am eigenen Lebensstandard machen muß. Ich denke da irrt er sich. Reichtum besteht 1.) nicht nur aus materiellen Dingen, sondern 2.) auch aus dem rein subjektiven Gefühl des Glücksempfindens. Dazu empfehle ich »Entschleunigung« (Fritz Reheis) zu lesen, der das auch behandelt (das Buch sollte man übrigens unbedingt haben!!!). 3.) ermöglicht der Gewinn an Lebenszeit einen tief gehenden Zugewinn an Lebensqualität. 4.) wird die Absolutmenge der produzierten Güter in der Marktwirtschaft durch die Kaufkraft begrenzt, man produziert dadurch bedingt meistens unter der technisch machbaren Grenze. Fällt diese Grenze weg, kann die Gütermenge steigen und sich an die wirkliche Bedarfsmenge anpassen. 5.) werden alle Güter viel gerechter auf die Bevölkerung verteilt, was einen deutlichen Sprung im Lebensstandard für etwa 80-85 % der Menschen z.B. in Deutschland ermöglichen würde. Nur diejenigen, denen es jetzt überproportional gut geht, werden einen Teil abgeben müssen, erhalten dafür aber eine größere Sicherheit und weniger Kriminalität zurück. Sie müssen weniger Angst vor Neid und negativer Energie haben.

3. das Herstellen des Äquivalenzprinzips erscheint noch sehr umständlich angedacht (über eine komplizierte Matrix für Produkte) und nicht gelöst auf der Ebene der ökon. Kategorien (was viel einfacher und vollständiger wäre); da gibt es bessere Möglichkeiten...aber dafür reicht hier der Platz nicht...

Ich denke, daß viele Menschen spüren, daß längst die Zeit für eine neue, dauerhaft tragfähige Gesellschaftsform gekommen ist. Doch diese wird und kann nur durch die innere Bewusstseinsbildung entstehen, nicht nur durch einen äußeren Systemwechsel. Der folgt im zweiten Schritt. Dieses Buch trägt einen gehörigen Teil zum Verständnis bei, auch was die Synthese betrifft. Die oben pauschal geäußerte Kritik erscheint mir zweifelhaft. EMPFEHLEN kann ich an weiterführender Literatur neben Fritz Reheis (echt klasse!) noch »Equilibrismus« (Eric Bihl) und »Das Tahiti-Projekt« (Dirk. C. Fleck), die den evolutionären, natürlichen Ansatz verfolgen. Kombiniert mit anderen Ideen (vor allem der Wertetheorie, s. Robert Kurz), kommt man so der Gesamtlösung schon sehr nahe.

FAZIT: Sympathischer Autor! Ein ganz anderer Schnack, als all die verkappten Verteidiger und Pseudokritiker der Marktwirtschaftslogik. Leider wird durch das angeregte Modell der '»Wert«' ansich noch nicht überwunden, was aber Grundlage einer natürlichen Wirtschaftsordnung wäre. Doch als Übergangsmodell ist das o.k. und dieses sehr kompakt geschriebene Buch bringt einen diesbezüglich weiter!!! Kritisch sehe ich das hier noch unterschwellig vertretende zu bürgerliche Menschenbild. Vielleicht täuscht der Eindruck...aber dann hätte der Autor das besser rausarbeiten müssen. Deshalb klarer Abzug eines Sterns (in der B Note, sozusagen).
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 17. September 2008
Kundenrezensionen:
3. Ein genialer Denker, den man gelesen haben muss!
2. Lesenswerte, engagierte Diskussionsgrundlage! (die aktuell angezeigte Rezension)
1. Sozialismus mal anders
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